Die Sünde
Wesen, Vielfalt, Schwere, und die Hoffnung der Erlösung
Wer das heiligste Herz Jesu verehren will, muss zuvor wissen, was diesem Herzen die Wunden schlägt. Die folgenden Abschnitte fassen die Lehre der Kirche von der Sünde in ihren wesentlichen Linien zusammen, Wesen, Verschiedenheit, Schwere und Ausbreitung, und schließen mit jenem Evangelium, in dem die Sünde überwunden ist.
Das Wesen der Sünde
Die Sünde ist ein Verstoß gegen die Vernunft, die Wahrheit und das rechte Gewissen; sie ist eine Verfehlung gegen die wahre Liebe zu Gott und zum Nächsten aufgrund einer abartigen Anhänglichkeit an gewisse Güter. Sie verletzt die Natur des Menschen und die menschliche Solidarität. Der heilige Augustinus definiert sie als
„ein Wort, eine Tat oder ein Begehren im Widerspruch zum ewigen Gesetz." Augustinus, Contra Faustum 22, 27
Vergleiche dazu Röm 1, 28–32; 1 Kor 6, 9–10; Eph 5, 3–5; Kol 3, 5–8; 1 Tim 1, 9–10; 2 Tim 3, 2–5.
Die Verschiedenheit der Sünden
Die Sünden sind vielfältig, die Heilige Schrift enthält mehrere Sündenregister. Der Galaterbrief stellt der Frucht des Geistes die Werke des Fleisches gegenüber:
„Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Mißgunst, Trink- und Eßgelage und ähnliches mehr. Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben." Galater 5, 19–21
Die Schwere, Todsünde und lässliche Sünde
Die Sünden sind nach ihrer Schwere zu beurteilen. Die schon in der Schrift erkennbare Unterscheidung (vgl. 1 Joh 5, 16–17) zwischen Todsünde und lässlicher Sünde wurde von der Überlieferung der Kirche übernommen, und die Erfahrung der Menschen bestätigt sie. Die Todsünde raubt der Seele die heiligmachende Gnade; die lässliche Sünde schwächt sie, ohne sie ganz zu zerstören. Nur durch eine gültige Beichte wird die durch Todsünde verlorene Gnade wiederhergestellt.
Die Ausbreitung der Sünde
Die Sünde schafft einen Hang zur Sünde, die Wiederholung der gleichen bösen Taten erzeugt das Laster. Es kommt zu verkehrten Neigungen, die das Gewissen verdunkeln und das konkrete Urteil über Gut und Böse beeinträchtigen. Die Sünde neigt dazu, sich zu wiederholen und zu verstärken; doch das sittliche Empfinden kann sie nicht völlig zerstören.
Die Hoffnung der Erlösung
Das Evangelium ist die in Jesus Christus ergangene Offenbarung, dass Gott mit den Sündern Erbarmen hat (vgl. Lk 15). Der Engel sagt zu Joseph: „Ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen" (Mt 1, 21). Und von der heiligen Eucharistie, dem Sakrament der Erlösung, spricht Jesus selbst:
„Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden." Matthäus 26, 28